Der Weg der Komplex-Homöopathie | Übersicht |

Eine kurze historische Betrachtung der Oligoplexe®

| Wie alles begann | Magdalene Madaus | Dr. Gerhard Madaus | Pastor Felke | Augendiagnose | Wider die herrschende Lehrmeinung | Wie der Name Oligoplexe entstand | Vom Dialog mit der Homöopathie und der Naturheilkunde | Auch in Zukunft Oligoplexe von Madaus |

Der  Arzt  und Naturforscher Dr. med. Gerhard Madaus (1890 - 1942) beschäftigte sich eingehend mit der Erforschung von Arzneipflanzen und daraus hergestellter Arzneimittel.
Zusammen mit seinen Brüdern Friedemund (1894 - 1967) und Hans (1896 - 1959) Madaus gründete er im Jahre 1919 in Bonn ein pharmazeutisches Unternehmen (Dr. Madaus & Co.), das seine Firmenphilosophie nicht zuletzt auf der Homöopathie aufbauen konnte. Ganz besonders intensiv widmeten sich die Jungunternehmer der Weiterentwicklung und Vervollkommnung der Homöopathie mit Komplexmitteln und der Erforschung und Herstellung von Arzneimitteln aus Heilpflanzen. Obwohl sich schon damals abzeichnete, daß sie mit einem ihrer Unternehmensziele, homöopathische Arzneimittel zu mischen, nicht auf die Zustimmung aller Homöopathen zählen konnten, forschten sie, angeregt und unterstützt von ihrer Mutter Magdalene Madaus, weiter.

Magdalene  Madaus (1857 - 1925) ließ schon 1911 die 'Complexmittel Madaus' in einer Wuppertaler Apotheke nach ihren Original-Rezepturen herstellen. Nach ihrer Erfahrung und Überzeugung war es oft zu schwierig, für jeden speziellen Fall nach der klassischen Ähnlichkeitsregel das passende Simile zu finden. So warb sie unermüdlich für die Anerkennung und die Nutzung ihrer Komplexmittel.
 
Noch heute wirken das Niederlegen ihrer Beobachtungen, ihr forscherisches Beharren und ihre Überzeugungsgabe auch auf den distanzierten Betrachter der pharmazeutisch-therapeutischen Entwicklung um die Jahrhundertwende und während der ersten beiden Jahrzehnte dieses Jahrhunderts erstaunlich frisch, geradezu progressiv. Woher nahm sie den Mut, die herrschende Lehrmeinung der klassischen Homöopathen fortzuschreiben?

Seitenanfang


Als  Frau des altlutherischen Pastors Heinrich Pieter Madaus (1853 -1915) kümmerte sie sich um die alten, die bettlägerigen und die gebrechlichen Mitglieder ihrer Gemeinde. Bedingt durch eine Erkrankung ihres Sohnes Hans und wegen der eigenen körperlichen Schwäche konsultierte sie den in Repelen am Niederrhein praktizierenden naturheilkundigen Pastor Emanuel Felke, im Volksmund liebevoll als der "Lehmpastor" bezeichnet. Er führte sie bald in die Homöopathie ein, die er als Arzneimitteltherapie - neben Licht- und Luftbädern, Wasserbehandlungen und Lehmpackungen - mit guten Ergebnissen praktizierte.

 Selbst Anhänger von Hahnemann (1755-1843) und Verordner klassischer Homöopathie, gab er häufig chronisch Erkrankten eine Mischung mehrerer Arzneien. Seine Homöopathie mit Komplexmitteln stand im engen Zusammenhang mit der Augendiagnose. So hat er, nach Selbstzeugnis von Magdalene Madaus, bei ihr eine schwere entzündliche Unterleibserkrankung mittels Augendiagnose festgestellt und erfolgreich mit seinen Kombinationspräparaten therapiert.
Durch den guten Heilerfolg Felkes überzeugt, wurde Magdalene Madaus seine begeisterte Schülerin. Felke machte sie schließlich auch mit der Augendiagnose vertraut: Sie übernahm seine Idee, das 'Rezept aus dem Auge'. Die erste Auflage ihres Lehrbuches über Augendiagnose erschien 1916 in Bonn.

Seitenanfang


In  dem immer stärker werdenden Konkurrenzkampf nach dem Ersten Weltkrieg ließ sich die Firma Madaus auf Betreiben von Gerhard Madaus ein Warenzeichen eintragen und gesetzlich schützen: Oligoplexe Madaus (gr.: oligos = wenig, gering). Madaus dokumentierte damit, daß es sich um Mischungen geringer, toxisch unbedenklicher Mengen handelt.

Die Produktpalette des neuen Unternehmens setzte sich in erster Linie aus den Komplexmitteln Madaus, aus Einzelhomöopathika, homöopathischen Spezialitäten und später auch aus Naturarzneimitteln sowie den Präparaten der Biochemie nach Dr. Schüssler zusammen. Hinzu kamen Teemischungen, Teezubereitungen und Produkte, die in der heutigen Sprache als Diätetika, Kindernahrung und Nahrungsergänzungsmittel bezeichnet würden.
Seit  den Anfangstagen lagen bei Madaus - neben der Weiterentwicklung bekannter und bewährter Präparate - starke Akzente auf der intensiven Kommunikation mit den Kunden. Die Erfahrungen aus der traditionellen Pastoralarbeit hatten die Familie gelehrt, über die Erforschung und den Vertrieb ihrer Arzneimittel hinaus zu denken. Heute, in der Sprache des modernen Marketings, würde man diese Aktivitäten als einen permanenten Dialog mit den Zielgruppen bezeichnen.
Madaus stellte eine Palette von Kommunikationsmitteln zusammen und griff Themen auf, die in den zwanziger und dreißiger Jahren hochaktuell waren. Breit gestreut wurden Drucksachen zur modernen Lebensführung, zur Gesundheitsvorsorge, zur Hygiene und zur gesunden Ernährung.

Seitenanfang


Zusätzliche Unterstützung für ihre Komplexmittel fanden die Jungunternehmer neben Mutter Magdalene bei Schwester Eva Flink (1886 - 1959). Nach einem durch die unstabile politische Lage im Rheinland erzwungenen Umzug nach Sachsen (1921 nach Radeburg und 1929 nach Radebeul) wurde in Dresden eine Schule für Iridologen gegründet. Auf Vortragsreisen durch das damalige Reichsgebiet und die benachbarten Länder hielten sie vielbeachtete Vorträge, um ihr Komplexmittel-System den Ärzten und Heilpraktikern näherzubringen. Aus der Dresdner Schule entstammt der auch heute noch aktive und weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannte 'Uslarer Kreis'.

Der Heilpraktiker Ernst-Hugo Kabisch (1900 - 1984), ein Schüler von Magdalene Madaus und Eva Flink, führte nach dem Zweiten Weltkrieg diese Tradition in Uslar fort. Seit 40 Jahren werden hier die Augendiagnose und die Oligoplex-Therapie weitervermittelt. Die von Madaus gepflegten Kontakte mit Gleichgesinnten im In- und Ausland erleichterten dem Unternehmen die mühevolle Arbeit, die Idee von den homöopathischen Komplexmitteln zu verbreiten - ungeachtet heftiger Anfeindungen der zahlreichen Gegner aus der etablierten Medizinszene. Doch nicht, wie oft vermutet, waren es die Vertreter der Schulmedizin, sondern eher die Vertreter der klassischen Richtung der Homöopathie; die 'echten Schüler Hahnemanns', wie sie sich selbst nannten, die entschiedenen Gegner der Homöopathie mit Komplexmitteln.
Ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu breiter Anerkennung der Oligoplexe gelang dem Unternehmen in den späten dreißiger Jahren. 1938 erschien in dem renommierten Leipziger Verlag G. Thieme das legendäre dreibändige "Lehrbuch der biologischen Heilmittel".

Seitenanfang


Dem  Verfasser Gerhard Madaus war es gelungen, in dieser Publikation die Berechtigung der Anwendung von Komplexmitteln zu belegen. Er untermauerte sie mit historischen Forschungen in den Aufzeichnungen persönlicher Schüler Hahnemanns (Aegidi, v. Bönninghausen, Lutze), die schon zu Hahnemanns Lebzeiten zumindest Doppelmittel in die homöopathische Therapie einbezogen hatten, wissenschaftlich begleitet von dem Berner Arzt und Pharmakologen Bürgi, der eine Kombinationsregel für Arzneien aufgestellt hatte.
Pharmakologisch prüfte der langjährige wissenschaftliche Leiter des Biologischen Institutes Madaus F. E. Koch 'Mercurius cyanatus oplx' auf seine Diphtheriebakterien-abtötende Wirkung. Es wurden die Einzelmittel gegenüber der Wirkung des gesamten Komplexmittels verglichen und ausgewertet. Das Ergebnis bestätigte das Komplexmittel: Selbst im ungünstigsten Fall war seine Wirkung noch 250mal stärker als die des stärksten in ihm enthaltenen Einzelmittels.
So konnten sich, trotz aller Anfeindungen, die Oligoplexe als eigenständiges Therapieprinzip durchsetzen. Heute sind sie das Komplexmittel-System in Deutschland mit der weitesten Verbreitung.

Selbst im Ausland, in Großbritannien, in Schweden, in Österreich und in der Schweiz sind die Komplexmittel von Madaus eine nicht wegzudenkende Komponente, ein überragender Baustein der Homöopathie in der Hand des erfahrenen Therapeuten. Nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges wagte die Unternehmerfamilie, unterstützt von geflüchteten Mitarbeitern, in Köln-Merheim den Neuanfang. Die Vertreibung aus Sachsen sollte sich rückblickend als Segen für den Fortbestand und die Weiterentwicklung speziell der Oligoplexe erweisen. In der sowjetisch besetzten Zone und später dann in der DDR war die Ausübung der homöopathischen Heilkunst unerwünscht. Nur wenigen Heilpraktikern und naturheilkundigen Ärzten war es erlaubt, mit Homöopathika zu therapieren.
Ende der sechziger Jahre war das Volumen im Westen so gewachsen, daß ein eigener Außendienst bei Therapeuten die Oligoplexe intensiv besprechen konnte. Bis auf den heutigen Tag, wo ein neugefügtes Außendienstteam die Oligoplexe bei ausgewählten Therapeuten bespricht, nimmt die Idee der Homöopathie mit Komplexmitteln von Madaus zielstrebig ihren Weg.

Seitenanfang