Hildegard von Bingen | Übersicht |

Mystikerin, Poetin und Naturheilkundlerin

| Die Volksheilkunde, Wurzel moderner Phytotherapie | Lebensdaten der Hildegard von Bingen | Ein Leben im Kloster | Wissenschaftlerin, Heilkundige, Predigerin, Visionärin | Schriftstellerisches Werk | Ihr Wirken strahlt bis heute fort |

 

Auf eine Jahrhunderte, gar Jahrtausende alte volksheilkundliche Tradition blickt die moderne Phytotherapie zurück.

Eine große Rolle in der Kräuterheilkunde spielte die vor fast 900 Jahren lebende Benediktiner-Äbtissin Hildegard von Bingen. Sie gilt vielen als eine der faszinierendsten Frauen in diesem Jahrtausend.

 


Hildegard von Bingen
 

Hildegard von Bingen wurde im Jahr 1098 als zehntes Kind einer Adelsfamilie in Bermersheim, in der Nähe von Alzey, geboren. Im Alter von 8 Jahren wurde sie zu Äbtissin Jutta von Sponheim gesandt, die das Kloster zu Disibodenberg leitete. Nach dem Tode der Äbtissin Jutta im Jahr 1136 wurde Hildegard ihre Nachfolgerin. Zwölf Jahre leitete sie das Kloster in Disibodenberg. In einer ihrer zahlreichen Visionen erhielt Hildegard den Auftrag, das Kloster Rupertsberg zu gründen. Zusammen mit 19 Nonnen zog sie im Jahr 1150 in das neue Kloster in der Nähe von Bingen. Als dieses Kloster zu klein wurde, gründete sie in Eibingen, auf der anderen Rheinseite, in einem leerstehenden Mönchskloster ein Tochterkloster. Hildegard starb am 17. September 1179 im Kloster Rupertsberg. Ihre Überreste ruhen seit 1642 in der Gemeindekirche von Eibingen. Hildegard wird ohne förmliche Kanonisation als Heilige verehrt.

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Hildegard von Bingen neigte schon als Kind zu Visionen. Sie erblickte in ihnen die Geheimnisse der Schöpfung, die Funktionen des menschlichen Körpers, die Ursachen von Krankheiten und deren Heilmittel, die die Natur zu ihrer Behebung bietet. Hildegard erhielt der Legende nach von Gott den Auftrag "Schreibe, was Du siehst." Neben religiösen Themen, die sie in ihrem Buch "Scivias - Wisse die Wege" behandelte, beschäftigte sie sich mit der Beschreibung der Natur und der Naturheilkunde. Sie komponierte ein religiöses Singspiel und zahlreiche Lieder. Sie unternahm ausgedehnte Reisen, um im ganzen Land zu predigen, Klöster zu reformieren und Priester und Laien zu einem christlichen Leben zu führen. Sie trat für die Reform des kirchlichen Lebens ein, dessen damaligen, vom Verfall bedrohten Zustand sie eindrucksvoll deutlich machte. Hildegard war eine der wichtigsten Persönlichkeiten des Mittelalters und gilt heute als erste deutsche Mystikerin.

  

"Causae et curae"
Bis ins 12. Jahrhundert war die Krankenpflege eine der Hauptaufgaben der Klöster. Beim Klosterbau wurden stets Gebäude zur Behandlung und Pflege von Kranken vorgesehen. Nie durfte ein Kräutergarten fehlen, und jedes Kloster besaß eine eigene, kleine Apotheke. Auch Kloster Rupertsberg war gut ausgestattet, und Hildegard hatte im Laufe der Zeit ein beträchtliches Wissen angesammelt, um den Kranken so gut wie möglich zu helfen. Hildegard selbst erklärte, sie verdanke ihre medizinischen Kenntnisse Gott; allerdings kannte sie auch die Handbücher der Mönchsmedizin, bekam von "Kräuterweiblein" einiges aus der Volksmedizin zugetragen und schöpfte nicht zuletzt aus ihrer eigenen Erfahrung. Wohl um dieses Wissen zu erhalten, legte sie ihre erstaunlichen medizinischen Kenntnisse zwischen 1151 und 1158 in den beiden Schriften "Causae et curae" (Ursachen und Behandlungsweisen) und "Physica" nieder.

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Hildegard schreibt in beiden Werken über die Vorgänge im menschlichen Körper, über Krankheiten und über die Voraussetzungen für Gesundheit. Immer wieder weist sie darauf hin, wie sehr Krankheit und Gesundheit von der seelischen Verfassung abhängen. In einem praktischen Teil führt Hildegard eine Vielzahl von Anwendungen und Rezepten gegen alle möglichen Krankheiten an. Ob Umschläge, Inhalationen, Pulver oder Pillen - präzise beschreibt Hildegard ihre Zubereitung und Anwendung.

Hildegard schildert nicht den Krankheitsprozeß, sondern entwirft Bilder von der Gesundheit und veranschaulicht auf diese Weise, was Krankheit nicht ist. "Grün" ist Naturkraft, und Krankheit bedeutet den Verlust der Naturkraft.

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